Theaterprojekt „TAN“ — Turnhalle (Oktober 2017)
„TAN“ ist ein entwickeltes Theaterprojekt, das für die besondere Akustik und Architektur der Turnhalle (einer ehemaligen Sporthalle) geschaffen wurde. Das Stück untersucht den Körper als Instrument – Atem, Puls und kollektiven Rhythmus – und verbindet Physical Theatre mit Live-Gesang und perkussiven Klanglandschaften. Kreidelinien, Bänke und die rohe Geometrie der Halle werden zur Szenerie: Die Performer:innen zeichnen Wege über den Boden, bilden flüchtige Chöre und zerfallen in Soli, die wieder in Ensemble-Unisono zurückfinden. Die Dramaturgie bewegt sich vom intimen Hören (Herzschlag, Flüstern, Schritt) zu einem gemeinschaftlichen Crescendo und lädt das Publikum ein, die Schwellen zwischen Probe und Ritual, Spiel und Präzision zu erleben.
Musikalisch wechselt „TAN“ zwischen minimalistischen Motiven und polyphonen Klagegesängen; die Bewegungssprache greift alltägliche Gesten auf, die zu Mustern und Kanon verstärkt werden. Das Licht ist reduziert und architektonisch gesetzt, es schneidet Zonen von Nähe und Distanz. Das Ergebnis ist eine schlanke, kinetische Darbietung, die zugleich ortsspezifisch und zeitlos wirkt – eine Untersuchung darüber, wie Körper Bedeutung erzeugen, wenn Raum und Klang als gleichwertige Partner behandelt werden.
Nimas Auftritt
Als Bühnen-Schauspieler und Performer bildet Nima Nazarinia den körperlichen und dramaturgischen Anker der Produktion. Seine Live-Präsenz wechselt zwischen präzisen, stilisierten Bewegungen und fragmentarischen Gesten; Atem, kontrollierte Impulse und gehaltene Ruhe setzen den Rhythmus für räumliche Muster und Übergänge. Er „stimmt“ sich aktiv auf die natürliche Akustik und Architektur der Turnhalle ein—indem er Bewegungen und Blickpunkte in verschiedenen Zonen des Raumes platziert, sodass der Raum selbst Teil der Performance wird.
Ein Solo in der Werkmitte verdichtet die zentralen Themen—Disziplin, Spiel und kollektiver Puls—zu einer intimen Studie über Kontrolle und Loslassen, bevor seine körperliche Präsenz wieder in den Ensemble-Rhythmus eines Call-and-Response übergeht. Durchgehend lenkt Nazarinia die Aufmerksamkeit auf das schlichteste Instrument auf der Bühne: den menschlichen Körper in Bewegung.
Regie: Nima Nazarinia

